Stadt Leipzig - Schwer im Kommen:

Leipzig macht Schlagzeilen


Leipzig sorgt in vielen Belangen für Gesprächsthemen: als Erinnerungsort der Friedlichen Revolution 1989, als kulturelles Zentrum von weltweiter Bedeutung, als gefragter Automobilstandort ... Jetzt haben Medienanalysten ermittelt, dass die Berichterstattung deutscher und internationaler Medien über Leipzig deutlich zugenommen hat. Weil Leipzig Tradition und Zeitgeist verbindet, so die Medienprofis, ist die Stadt spannend wie nie und wird das auch noch einige Jahre so bleiben. Leipzig ist ganz sicher kein Geheimtipp mehr.

Ein Jahr voller Höhepunkte
Gerade 2013 bietet Leipzig viel, was Gäste aus aller Welt anlocken könnte. Da wären 800 Jahre Thomana, 200 Jahre Richard Wagner oder das beeindruckende Völkerschlachtpanorama von Yadegar Asisi zum 200. Jubiläum dieser Schlacht. Im nächsten Jahr steht in Leipzig u.a. die 25-Jahr-Feier der Friedlichen Revolution an.

Französische Journalisten waren im frühen Arbeiterviertel Plagwitz auf Spurensuche nach der heutigen kulturellen Nutzung von Industriebrachen. Ein italienisches Modemagazin feierte eine Schuhausstellung im Grassimuseum für Angewandte Kunst. Presseleute aus den USA, Israel oder Brasilien gehen in Leipzig auf Tour und sind sichtlich fasziniert. Die New York Times listete vor drei Jahren 31 Orte rund um den Globus auf, deren Besuch sich unbedingt lohnen würde („Where to go in 2010“). Leipzig stand auf Platz 10 dieser illustren Empfehlung.

Die beliebteste deutsche Stadt
Das ist die Sicht von außen. Und wie sehen die Leipziger selbst auf ihre Stadt? Darüber gibt das Ergebnis einer Umfrage innerhalb der gesamten EU Aufschluss. Die Bürger wurden über die Lebensqualität ihrer Städte befragt und wie gern sie in ihnen zu Hause sind. 95 Prozent der Leipziger gaben an, überaus gern in ihrer Stadt zu wohnen. Nur die Krakauer und Groninger gaben ihrer Heimatstadt eine noch größere Zustimmung. Leipzig war damit die beliebteste Stadt Deutschlands. Metropolen wie Berlin, München und Hamburg wurden von der Sachsenstadt souverän abgehängt.

Was Leipzig so attraktiv macht, lässt sich wahrscheinlich nicht auf eine simple Formel bringen. Dafür ist die Stadt, sind ihre Einwohner, Möglichkeiten und Chancen viel zu komplex. Fügt man die vielen Puzzlestücke zusammen, aus denen das ausgesprochen abwechslungsreiche, nie eindimensionale Leipzig besteht, formt sich ein genaueres Bild.

Das Neue beginnt in Leipzig bei der Wirtschaft. Das Institut für deutsche Wirtschaft Köln stufte den Industriestandort Sachsen unter die Top Ten in Europa ein. Sein zehnter Platz wurde mit Standortvorteilen gegenüber beispielsweise Großbritannien (13) und Frankreich (20) begründet und steht für die Konkurrenzfähigkeit der sächsischen Wirtschaft und die vorzüglichen Standortbedingungen. Diese guten Werte treffen auch auf Leipzig im Speziellen zu.

Luftdrehkreuz und Logistikzentrum
Eines dieser Elemente des neuen Leipzig ist seine Wichtigkeit als Verkehrs- und Logistikzentrum von Mittteldeutschland und weiter darüber hinaus. Am Flughafen Leipzig/Halle baute die DHL ihr europäisches Luftdrehkreuz auf. 350 Mio. Euro wurden investiert, im ersten Jahr durchschnittlich 350 Tonnen Frachtgut am Tag umgeschlagen. Heute sind es 1.600 Tonnen, die auf 65 Flüge täglich verteilt sind.

Und nun investiert auch ein großes Logistikunternehmen in der alten Messestadt, das hier seine Wurzeln hat. Fenthols mit Sitz in Hamburg gehört heute zur niederländischen Raben Group und eröffnete in Leipzig einen Standort im Güterverkehrszentrum (GVZ) – weil die Straßenanbindung perfekt, außerdem Luftfrachtzentrum und Bahnhof gleich in der Nähe sind. Das GVZ ist mit 600 Hektar Sachsens größter Gewerbe- und Industriepark. Fenthols war 1827 in Leipzig als Kommissions- und Speditionsgeschäft gegründet worden. Nun erwirtschaftet es in Leipzig mit 33 Mio. Euro etwa ein Viertel des Unternehmensumsatzes.

Deutschlandweit bekannt ist, dass Amazon in Leipzig sein größtes Logistiklager unterhält. Wenn im Herbst das Weihnachtsgeschäft anrollt, sucht der Lieferkonzern sage und schreibe 3.000 Saisonkräfte, um das Paket- und Päckchenaufkommen zu stemmen.

Dazu passen auch die Zahlen vom Leipziger Airport: Allein im Monat Juli 2013 bewältigte der Flughafen 513.000 Tonnen Fracht – eine weitere Steigerung. Und auch die Passagierzahlen ziehen an: über 240.000 im selben Monat. Auch hier nimmt die Bedeutung des früher noch recht provinziellen Flughafens weiter zu.

Leipzig als Automobilstandort
Ein Mercedes-Manager sagte kürzlich in einem Interview, dass die Dynamik Leipzigs beeindruckend sei und dort mehr passiere als in anderen Städten mit vergleichbarer Einwohnerzahl. Aber nicht Mercedes, sondern BMW und Porsche haben in Leipzig das Sagen. Ihre Werke machen Leipzig zum Automobilstandort, der Tausende neue Arbeitsplätze für Stadt und Region brachte und wie im Bereich Logistik weiter zulegt. Der elektro-getriebene BMW i3 – laut BMW-Chef Reithofer der Beginn einer neuen Ära – soll den Markt der Elektrofahrzeuge in Schwung bringen und prägen. Er läuft in Leipzig vom Band. Übrigens auch der Hybrid-Sportwagen i8, mit dem BMW 2014 für Überraschung sorgen will. Aber nicht nur BMW dient Leipzig als prestigeträchtiger Jobmotor. Auch Porsche treibt die Qualität des Automobilstandorts Leipzig permanent nach oben – zuletzt mir der 2013 eröffneten Lackiererei.

Leipzig gilt gleichermaßen als Standort der Bankenbranche. Führende Kommunikationsunternehmen wie COMPAREX und die Softline AG siedeln sich an der Pleißestadt an, auch Dienstleister der modernen Medien wie die Unister Holding. In Leipzig hat der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) seinen Sitz. Zur Zeit ist von einem Boom im Hotelbetrieb die Rede. Während die Bagger noch in Warteposition stehen, ist ein ganzer Fächer von Hotels unterschiedlichster Komfortstufen, Preisklassen und Zimmerzahl geplant.

Alte Messe – Neue Messe
Und was ist eigentlich mit der Leipziger Messe? Über viele Jahrhunderte war sie das Aushängeschild der Stadt, einer der ältesten Messen überhaupt und vor der Wende als Frühjahrs- und Herbstmesse eine feste Größe im Terminplan der internationalen Wirtschaft. Seitdem hat sich vieles geändert. Es gibt bedeutendere Messestädte in Deutschland, wo das Sondermodell der universalen Mustermesse schon lange ausgedient hat. In Leipzig hat man das schnell verstanden und 1996 statt des alten Messegeländes ein neues aus dem Boden gestampft. Hier finden die Leipziger Buchmesse statt, die Auto Mobil International und weitere Themenmessen, die gut besucht sind und Leipzigs Ambitionen, als zugstarker Messeplatz zu fungieren, unterstreichen.

Leipzig, die berühmte alte Messe-, Buch- und Kürschnerstadt hat sich also in den letzten Jahren ganz neu erfunden. Wie sieht es mit der Wohnqualität aus, die in Deutschland ja meist direkt an die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen geknüpft ist? Die Ergebnisse der schon genannten EU-Umfrage sprechen eine deutliche Sprache. Die Beliebtheit der Stadt wird auch gestützt von der demoskopischen Seite: rund 540.000 Bürger zählt Leipzig wieder. Nach den vielen Wegzügen ab den 70er Jahren und dann verstärkt noch einmal in der Nachwendezeit ein beachtlicher Erfolg. So hat Leipzig zwischenzeitlich heute wieder mehr Einwohner als zum Zeitpunkt des Mauerfalls. Es gibt wieder Arbeitsplätze in neuen Industrien. Das kulturelle Klima ist bestens, die Sport- und Ausgehmöglichkeiten wünschenswert. Ehemals graue, halb verlassene Stadtteile haben sich zu schmucken Vierteln gemausert, in denen zu bezahlbaren Miet- und Kaufpreisen eine neue urbane Szene entsteht, die sehr vielfältig ist. Immobilienunternehmen haben sich um die Sanierung ehrwürdiger Architekturdenkmäler verdient gemacht. Industriebrachen, an denen Leipzig sehr reich ist, wandelten sich in elegante Lofts. Vor sich hin dümpelnde Wasserläufe, wie der Karl-Heine-Kanal, sind auf einmal eine Augenweide und laden zu Bootsausflügen zum Café am Ufer ein.

Besondere Wohnqualität
Der Reichtum, den Leipzig schon während der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert aufzubauen begann und der im frühen 20. Jahrhundert zu einer langen Blütezeit führte (700.000 Einwohner in den 1930er Jahren) schlug sich auch in repräsentativen Bauprojekten wieder, die das stolze Städtebürgertum initiierte. So entstanden die vielen Gründerzeitbauten Leipzigs. Sein Waldstraßenviertel etwa gilt als eines der größten zusammenhängenden Gründerzeitensembles in Europa und wird aus diesem Grund regelmäßig von Touristenbussen durchkreuzt. Die vorzügliche alte Substanz ist auch der Grund für das recht hohe Aufkommen an gefragten Denkmalschutzimmobilien, die den Leipziger Markt beleben und zu seinen Alleinstellungsmerkmalen gehören.

Die Nachfrage nach attraktivem Wohnraum in Leipzig nimmt stetig zu. Und nach „wilden Immobilienjahren“ Mitte der 1990er ist der Markt heute top-seriös und auf die hohen Bedürfnisse einer gut informierten Zielgruppe zugeschnitten. Zugleich stellten die Planer im Leipziger Rathaus fest, dass noch immer rund 30.000 Wohnungen leer stehen, es also eine Diskrepanz zwischen zunehmender Nachfrage und teilweise in guten Lagen kaum noch zu sättigender Nachfrage und Leerständen gibt. Analysten gehen aber davon aus, dass schon 2015 die Balance zwischen Angebot und Nachfrage in Leipzig hergestellt sein wird. Kenner des sächsischen Immobilienmarktes werten die Leerstände zudem auch als Zeichen, dass die Ansprüche größer geworden sind und eine natürliche Konzentration auf die interessanten Angebote stattfindet. Denn in Leipzig – anders als etwa in München und Hamburg – sind Interessenten noch in der komfortablen Lage, eine attraktive Auswahl zu haben.

Gestiegene Kaufkraft
Ein sicheres Zeichen für den wachsenden Wohlstand und der daraus folgenden neuen Möglichkeiten, sein Leben zu entfalten, ist das finanzielle Potenzial vor Ort. Die Nürnberger Michael Bauer Research GmbH hat nun in einer Studie ermittelt, dass die Kaufkraft der Leipziger in den letzten fünf Jahren um 2.223 Euro jährlich gestiegen ist. Leipzig scheint also ein gutes Pflaster, um dort Wohlstand aufzubauen, seine Wohnträumen und individuellen Lebensentwürfe zu verwirklichen.

Führend in der Forschung
Nicht nur die neuen Industrien halten Altleipziger am Ort und ziehen Neuleipziger an, es ist auch der hervorragende Forschungsstandort. Die Uni Leipzig, an der schon Goethe und Nietzsche studierten, genießt weiterhin einen exzellenten Ruf und ist auf vielen Lehr- und Forschungsgebieten führend. An der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ studieren angehende Künstler, von denen bald weltweit zu hören sein wird. Die Hochschule für Grafik und Buchkunst hat die „Neue Leipziger Schule“ hervorgebracht, die sich in den letzten Jahren um den auch in New Yorker Galerien gefeierten Neo Rauch bildete. Die Handelshochschule Leipzig (HHL Leipzig Graduate School of Management), ist eine der angesehensten Business Schools des Landes. Auch im Bereich Leistungssport gehört Leipzig zu den führenden Zentren.

Lebendige Szene
Die studentische Szene trifft sich abends in der Moritzbastei, ein Klassiker. Alternatives Volk findet sich im Haus der Demokratie oder in der naTo. Lifestyle kann man im Nachtcafé oder der Buddha Gallery in der Innenstadt ausleben. Im Barfussgässchen schlägt mitten in der City das gastronomische Herz von Leipzig. Und entlang der Karl-Liebknecht-Straße tummelt sich alles, was Leipzig an Nachtschwärmern zu bieten hat. Eine Sperrstunde gibt es nicht.

Die oft hochklassigen Open-Air-Konzerte in der Arena Leipzig – wo am Wochenende ein Club namens RB Leipzig aktuell die 3. Liga aufmischt – sind gut besucht und ziehen viel auswärtige Gäste an. Überhaupt die Touristen. Städtetrips nach Leipzig scheinen derzeit in zu sein. 2010, so die amtliche Statistik, kamen über zwei Millionen Besucher in die Stadt und gaben dort etwa 1,1 Mrd. Euro aus.

Viele Besucher
Die meisten Gäste sind noch immer Deutsche, zumal aus den alten Bundesländern, bei denen sich die touristische Anziehungskraft von Leipzig herumgesprochen hat. Daneben kommen immer mehr US-Bürger, Japaner, Briten und Niederländer. Die Gründe sind ganz vielseitig. Die einen möchten sich vielleicht ein Konzert im Leipziger Gewandhaus anhören oder die Thomaner bei einem ihrer seltenen Auftritte der Thomaskirche erleben. Andere wollen sich mit eigenen Augen ein Bild machen, wie das denn damals war mit der Nikolaikirche und den Montagsdemonstrationen. Und dann gibt es ja auch noch eine ganz besondere Gruppe von Leipzig-Besuchern: Die Anhänger des Wave Gotik Treffens – eine Szene, für die Leipzig so etwas wie eine inoffizielle Welthauptstadt geworden ist.Hier wird alljährlich das Pfingstreffen der schwarzen Schar zelebriert. Aus aller Welt kommt die Szene zum „World Wide Wave Gotik Congress Leipzig“.

Kulturell schon immer top
Wirtschaftlich ist Leipzig im Aufwind. Es gibt aber einen Bereich, in dem die Stadt seit nahezu 200 Jahren in Europa einen vorderen Rang einnimmt: den der Künste, der Musik, der Literatur. Dieser Wert ist gar nicht hoch genug einzuschätzen. Er drückt Leipzig einen unverwechselbaren Stempel, eine ideelles Qualitätssiegel, das auch auf jene Leipziger ausstrahlt, die sich nicht viel aus kulturellen Dingen machen.

In Leipzig lehrte und komponierte Johann Sebastian Bach, der Thomaskantor, dessen Aura noch immer in der Thomaskirche zu erspüren ist. Richard Wagner kommt aus Leipzig. Robert Schumann griff hier in die Klaviertasten und besuchte fleißig die Kaffeehäuser. Felix Mendelssohn Bartholdy war hier Gewandhauskapellmeister. Gustav Mahler war zum Komponieren im Leipzig, auch Edvard Grieg. Und das sind nur einige herausragende Komponisten, die Leipzigs Ruf als Musikstadt geprägt haben. Der Star-Dirigent Kurt Masur, der auch seinen Anteil an der friedlichen Revolution hatte, machte sein Gewandhausorchester weltberühmt und kehrte auch nach seinen erfolgreichen New Yorker Engagements gern nach Leipzig zurück. Seit 2005 führt an dieser Stelle Ricardo Chailly den Taktstock.

Die Leipziger wollen mit diesen kulturellen Pfunden wuchern. Es bietet sich ja auch an. Die Stadtverwaltung hat daher eine UNESCO Initiative eingeleitet, die unter anderem einen Parcours der Erinnerungsorte Leipziger Komponisten geschaffen hat – von Komponistenhaus zum Komponistenhaus. So etwas hat höchstens noch Wien zu bieten. Leipzig verfolgt damit den Plan, endlich den Rang einer UNESCO-Welterbe-Stadt zu erreichen. Drücken wir ihm die Daumen!

Auch die Oper Leipzig und der bereits erwähnte Thomanerchor tragen zum musikalischen Höhenflug der Stadt bei. Nicht vergessen soll aber auch ein anderer kultureller Zweig der Stadt sein, der hier besonders gefeiert wird: die bildende Kunst.

Große Kunst
Früher hieß es Dimitroffmuseum und befand sich im Gebäude des heutigen Bundesverwaltungsgerichts. Jetzt ist das Museum der bildenden Künste am Sachsenplatz untergebracht – in einem lichtdurchfluteten Neubau, dessen Ästhetik sicher polarisiert, der aber für das neue, gewandelte Bild von Leipzig steht. Auf 7.000 Quadratmetern Fläche hängen, stehen und lagern 3.500 Gemälde der verschiedensten Epochen, 1.000 Skulpturen und rund 60.000 Grafiken. Alte Meister aus den Niederlanden, italienische Barockkunst, französische Impressionisten, deutsche Expressionisten, Jugendstil ... hier ist das alles versammelt. Hinzu kommen ständige Sonderausstellungen zu oft auch sehr modernen Themen oder großen Künstlern mit Leipzig-Bezug. Neben Beckmann, Monet und Cranach hängen auch die Werke der Leipziger Schule, von denen Werner Tübke, Wolfgang Mattheuer, Bernhard Heisig und als umjubelte Newcomer Neo Rauch und Daniel Richter die herausragenden Vertreter sind.

Es soll nicht wenige geben, die das flächenmäßig üppige, dennoch sehr komplex zusammengefügte Leipziger Stadtbild selbst für ein Kunstwerk halten, so viel ist hier zu sehen und zu bestaunen. Zwar haben die Bomben des 2. Weltkriegs dem alten Leipzig einen irreparablen Schaden zugefügt, der durch die Untätigkeit des SED-Regimes eher noch vergrößert worden war, aber es gibt noch immer jede Menge beeindruckende Bauwerke, Denkmäler und Architektur-Highlights – und auch Neues ist hinzugekommen, wie der Uni-Riese, das Universitätshochhaus am Augustusplatz, der im Jahr seiner Errichtung 1972 mit seinen 142 Metern Höhe das höchste Gebäude von Gesamtdeutschland war. Er fügt sich in ein nicht gerade homogenes, aber faszinierendes Bild ein: das Gewandhaus mit seinem wuchtigen Portal, davor als Kontrapunkt der prunkvolle Mendebrunnen, gegenüber das nach dem Krieg neu errichtete Opernhaus und am Reingang zur Innenstadt die architektonisch sicher gewagte, aber dennoch visuell interessante Reminiszenz an die ehemalige Universitätskirche in der neuen Fassade der Universität Leipzig.

Das Völkerschlachtdenkmal
Das eigentliche Wahrzeichen von Leipzig wird aber wohl auf immer das Völkerschlachtdenkmal sein. Vom 14. bis 19. Oktober 1813 fand um und in Leipzig die gigantische Einkesselung der napoleonischen Armee durch die Truppen der Verbündeten Russen, Preußen, Österreicher, Schweden und Engländer statt. Fast 500.000 Soldaten beider Seiten standen hier in einem tagelangen blutigen Kampf, der als das Jahrhundertereignis der Völkerschlacht in die Geschichte einging und das Ende der französischen Fremdherrschaft über Europa einläutete.

Der mächtige Koloss wurde 1913 zur 100-Jahrfeier errichtet und beruht auf Plänen des Architekten Bruno Schmitz. Er ist 91 Meter hoch und damit eines der größten Denkmäler Europas. Von seiner Aussichtsplattform hat man einen großartigen Blick über Leipzig, der noch durch die flache Beschaffenheit der Region unterstützt wird. Wer auf den Aufzug verzichten möchte, muss sich ganze 500 Stufen nach oben bemühen. Die sichtbaren Teile des Denkmals bestehen aus Granitporphyr, 90 Prozent seines Körpers aber aus Beton, was es seinerzeit zu einem der größten Betonbauwerke des Deutschen Reiches machte.

Die Kuppeldecke der riesigen Ruhmeshalle zeigt fast lebensgroße Abbildungen von 324 Reitern, knapp 10 Meter hohe Statuen stehen als Totenwächer für die Tugenden des deutschen Volkes in den Befreiungskriegen 1813-15 Tapferkeit, Glaubensstärke, Volkskraft und Opferbereitschaft. Der Bildhauer Franz Metzner, der sie schuf, entlehnte seine Ideen den Memnonsäulen der alten Ägypter. Die Krypta dient den vielen Zehntausende in der Völkerschlacht Gefallenen als symbolische Ruhestätte. Außen am Denkmal steht ein riesiger Erzengel Michael nach einem Entwurf von Christians Behrens – der Schutzpatron der Soldaten. Nur wenige Schritte von der ausgedehnten Anlage des Völkerschlachtdenkmals entfern erinnert der Napoleonstein an den Standort des französischen Kaisers während der Schlacht.

Alle sehenswerten Bauwerke von Leipzig aufzuzählen, würde diesen Rahmen sprengen. Als Immobilienunternehmen möchten wir aber natürlich auf die wichtigsten Gebäude verweisen, die Leipzig berühmt machen und auf ganz besondere Weise die Identität der Stadt verkörpern.

Das Alte Rathaus
1557 ließ der Leipziger Bürgermeister Hieronymus Lotter das heute so genannte Alte Rathaus auf der Basis eines Vorgängergebäudes errichten. Es gilt als eines der letzten und gleichzeitig bedeutendsten Renaissancebauwerke Deutschlands. Seine asymmetrische Arkaden-Fassade und der Turm, auf dessen Balkon zur Weihnachtszeit traditionell Turmbläser auftreten, ist ein beliebtes Fotomotiv und verleiht dem Markt in Leipzig Stimmung, Wärme und historische Dimension.

Die Passagen
Jeder Leipzig-Tourist wird die Mädlerpassage kennen und an den Bronzefiguren vor dem Eingang von Auerbachs Keller gestanden haben. In den goldenen Zeiten der Leipziger Messe, als auch in der Innenstadt ausgestellt wurde, entstand ein System prachtvoller, reich ornamentierter Passagen nach Mailänder Vorbild. Sie laden zum Flanieren, Schauen und Verweilen ein – gerade bei schlechtem Wetter. Geheimtipp: Die Mephisto Bar, ebenfalls in der Mädlerpassage, bei der man Cocktails genießen kann und dabei ein diabolisches Lachen zuzüglich Höllenrauch aus der Decke hören kann. So etwas gibt es nur in Leipzig!

Zwei wichtige Kirchen
Noch zwei andere Bauwerke schlagen in Leipzig die Brücke von einer glanzvollen Vergangenheit in die Gegenwart. Sie sind vor allem von historischem Wert und zeigen den Kern dessen, was Leipzig ausmacht. Die Thomaskirche, erbaut im späten Mittelalter, war die Wirkungsstätte Johann Sebastian Bachs während der Barockzeit. Der gotische Bau sorgte für Impulse, die vom Stolz des Leipziger Bürgertums bis zum musikgeschichtlich einzigartigen Refugium reichen. Ein Ort des alten Leipzig, der sich wie von allein zum neuen Selbstverständnis der Stadt gesellt, die nicht nur auf eine große Ära zurückblicken kann, sondern auch eine echte Zukunft vor sich hat.

Und es gibt die Nikolaikirche. Sie war 1989 der Kulminationspunkt aller Bestrebungen, eine politische Wende in der DDR einzuleiten. Friedensgebete wurden hier abgehalten, die Montagsdemonstrationen nahmen von diesem Ort ihren Ausgang. Zivilcourage, Hoffnung, gelebte christliche Werte – wer ein Mahnmal sucht, das an den friedfertigen Umgang der Deutschen mit einem Recht auf Selbstbestimmung und Freiheit erinnert, der sollte die Nikolaikirche in Leipzig ganz oben auf die Liste setzen.

So viele spannende Facetten Leipzig hat, so sehr man fasziniert ist, wenn man das erste Mal Leipzig besucht, so sicher ist auch, dass nur, wer hier lebt, das wahre Geheimnis der Anziehungskraft dieser Stadt erfahren wird.